Kiki Smith: Procession

In über drei Jahrzehnten hat die amerikanische Künstlerin Kiki Smith (*1954 in Nürnberg) ein facettenreiches Werk geschaffen, das sich mit den politischen und sozialen, den philosophischen und spirituellen Aspekten der menschlichen Natur befasst.

Ihre analytische Durchdringung des Körpers – ohne Scheu vor Tabus und Grenzen der Scham – stellt die Bedingungen menschlichen Daseins zur Diskussion: Alter, Tod und Sterben, Verwundung und Heilung, Ganzheit und Fragmentierung, Sexualität und Geschlecht, Identität und Erinnerung.

Dabei nutzt Kiki Smith neben der Skulptur eine Vielzahl anderer Medien, insbesondere Zeichnung, Radierung und Lithografie, auch Buch, Fotografie und Video. Und sie verwendet eine Fülle von Materialien, etwa Bronze, Gips, Glas, Porzellan, Papier, Pigment, Aluminium, Latex, Federn, Haar und Bienenwachs.

Diese erste größere Museumspräsentation in Europa verbidnet die Werke Kiki Smiths zu einer Gesamtdarstellung ihres gedanklichen Kosmos. Der Schwerpunkt liegt auf den Skulpturen vom Beginn ihrer Werkentwicklung in den 1980er-Jahren bis zu jüngst entstandenen Arbeiten.

Von ihren frühen, anatomisch angelegten Darstellungen ausgehend hat sich im Werk der Kiki Smith ein Universum entfaltet, das von Mädchen und Frauen, Mischwesen, Tieren vieler Art, Gewächsen und Gestirnen bevölkert ist. Mit „Jersey Crows“ (1995/2017) setzt Kiki Smith 20 Krähen, die Opfer von Pestiziden wurden und tot vom Himmel fielen, ein Denkmal. Eine solche Installation schafft Kreaturen, deren Habitat durch den Menschen bedroht ist, einen Raum der Wertschätzung, der an den Ritus des Übersetzens sowie an das Bewahren, an Totenbarke und Arche Noah, erinnert. Kiki Smith fragt nach unserem Verhalten gegenüber der Schöpfung. Die Haltung der Künstlerin ist klar: „Man beutet keine Natur aus, die zu einem spricht.”

Die Ausstellung lässt diese Geschöpfe am Betrachter vorbeiziehen wie in einer Prozession. Oft sind verschiedene Wesenheiten ineinander verwoben: “Born” (2002) etwa zeigt eine Frau, deren Fuß wie bei einer Geburt noch mit einem Reh verbunden ist, oder in der Skulpture “Rapture“ (2001) entsteigt eine Frau dem Bauch eines Wolfes. Umgeben von Tapisserien, haben diese einen Skulpturen ganzen Raum für sich.

Kiki Smiths Serie von zwölf Tapisserien ist hier erstmals vollständig ausgestellt. Bei ihrer ersten Reise nach Europa erfüllte sich die Künstlerin den Wunsch, die Tapisserien „Zyklus zur Apokalypse“ zu sehen, die Herzog Ludwig I. von Anjou in den Jahren 1377-1382 für seine Residenz in Angers fertigen ließ. Dieser 140 m breite Wandteppich stellt die Visionen aus der Offenbarung des Johannes dar.

In ihrer eigenen Serie von Tapisserien erzählt Kiki Smith eine Art Schöpfungsgeschichte. Schlange, Wolf, Rabenvogel, Eva, Adam, Reh, Berge, Flüsse, Meer und Gestirn sind zu einem bekenntnishaften Weltentwurf verwoben.

Haus der Kunst

Prinzregentenstraße 1,
80538 München
Telefon: +49 89 21127 113
Mehr Info: www.hausderkunst.de

Dauer der Ausstellung:
02.02.2018 - 03.06.2018

Öffnungszeiten:
Montag – Sonntag 10  bis  20 Uhr, Donnerstag 10  bis  22 Uhr

Für die Aktualität der Angaben übernehmen wir keine Gewähr. Informieren Sie sich ggf. vor Ihrem Besuch auf der Museumswebseite über Öffnungszeiten und Eintrittspreise.

Lade Karte ...