Fotografien von Fred Stein: Im Augenblick

“… ich bin der ehrlichen Meinung”, schrieb Hannah Arendt an Fred Stein im Jahr 1964, “dass Sie einer der besten zeitgenössischen Porträtfotografen sind.” Im Laufe seiner Karriere hat Fred Stein eine Vielfalt fotografischer Porträts von prominenten Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Literatur seiner Zeit angefertigt, darunter Albert Einstein, Georgia O’Keeffe, John F. Kennedy, Marlene Dietrich, Günter Grass, David Ben-Gurion, Frank Lloyd Wright, Willem de Kooning, Thomas Mann und viele mehr. Viele davon waren Emigranten wie er. 

Dabei hatte Fred Stein den Beruf des Fotografen aus Not ergriffen. 1909 als Sohn eines Rabbiners in Dresden geboren, studierte Stein zunächst Rechtswissenschaften, durfte diesen Beruf jedoch wegen des Berufsverbots für Juden ab 1933 nicht ausüben. Nach seiner Heirat mit Liselotte (Lilo) Salzburg im August 1933 gelang den beiden im Oktober die Flucht nach Paris. Auf der Suche nach einem Beruf, den er trotz bestehender Sprachbarrieren ausüben konnte, kam Stein zur Fotografie. Mit der Leica, die schon in seinem Besitz gewesen war, begann er, Straßenansichten und Porträts zu fotografieren. 1935 hatte er seine erste Ausstellung, gemeinsam mit Man Ray, André Kertész, Ilse Bing und Dora Maar.

Als die Situation für Juden auch in Frankreich prekär wurde, gelang Stein mit seiner Familie 1941 über Marseille die Flucht nach New York. Auch hier entstehen weitere Straßenansichten und Porträts, nun auch mit der Rolleiflex. 1952 erfolgte die Einbürgerung in die USA. Am 27. September 1967 starb Fred Stein mit nur 58 Jahren in New York.

Steins künstlerisches Hauptanliegen war stets die Authentizität seiner Motive. So arbeitete er überwiegend mit natürlichem Licht und nur in Ausnahmesituationen mit Blitzlicht. Die Bildsprache in seinen Porträts ist klar und einfach. Die Aufnahmen sind nicht arrangiert oder inszeniert und stellen die dargestellte Person in den Fokus. Sein Anspruch war „… einen Ersatz … für den lebenden Menschen zu schaffen, ein Bild, das über den äußeren und inneren Menschen aussagt.“

Trotz der Bandbreite und Kraft seiner Arbeiten erlangte Fred Steins Werk zu seinen Lebzeiten nicht die gebührende Anerkennung. Selbst nach seinem Tod wurden seine Straßenansichten aus Paris und New York weniger wahrgenommen als seine Porträts.

Fred Stein Fotografien
Foto-Bildband bei amazon.de (Französisch) Portraits de l’exil, Paris-New York (1933-1942)

Das Jüdische Museum Berlin zeigt erstmalig in Deutschland eine umfassende Retrospektive des Fotografen Fred Stein, der nicht nur ein ausgezeichneter Fotograf, sondern auch ein exzellenter Beobachter und Dokumentarist seiner Zeit war. Sein Nachlass ermöglicht einen umfassenden und sehr persönlichen Einblick in das fotografische Werk wie in sein Leben, das durch die Emigration geprägt war.

Jüdisches Museum Berlin

Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

Dauer der Ausstellung: 2. November 2013 bis 4. Mai 2014
Öffnungszeiten: Montag: 10-22 Uhr, Dienstag-Sonntag: 10-20 Uhr