„mein reklame-fegefeuer“. Herbert Bayers Werbegrafik von 1928 bis 1938

Berlin. Die Sonderausstellung im Bauhaus‐Archiv/Museum für Gestaltung widmet sich dem gebrauchsgrafischen Schaffen des Bauhaus‐Lehrers nach seinem Weggang vom Bauhaus bis zu seiner Emigration in die USA. Herbert Bayer hat viele Leben gelebt: 1900 geboren, am Bauhaus in der Wandmalerei unter Schlemmer und Kandinsky ausgebildet und 1925 Meister der neuen Werkstatt für Typografie und Werbung; ab 1928 in der Berliner Agentur Dorland Werbegestalter, Art Director der Pariser Vogue, Ausstellungsmacher für die Nationalsozialisten. 1937 in der Ausstellung “Entartete Kunst” diffamiert, 1938 Übersiedelung nach New York und erfolgreich als Art Director.

Das Bauhaus‐Archiv wirft einen differenzierten Blick auf die werbegrafischen Arbeiten des ehemaligen Bauhaus‐Lehrers Herbert Bayer (1900‐1985) in der Weimarer Republik und dem nationalsozialistischen Deutschland nach seinem Weggang vom Bauhaus. Bayer studierte 1921 bis 1925 am staatlichen Bauhaus in Weimar, u.a. bei Johannes Itten, Paul Klee und Wassily Kandinsky. 1925 berief man ihn nach der Gesellenprüfung an das Bauhaus in Dessau als Leiter der neuen Werkstatt für Druck und Reklame. In dieser Werkstatt entstanden alle für das Bauhaus benötigten Drucksachen nach Entwürfen von Herbert Bayer oder Studierenden, womit er die Voraussetzungen für ein neues Berufsfeld schuf: das Grafikdesign.

1928 verließ Bayer das Bauhaus und zog nach Berlin. Dort war er als Werbegrafiker und künstlerischer Leiter der Werbeagentur Studio Dorland tätig, gestaltete Ausstellungen, widmete sich der Malerei und der Fotografie und wurde Art Director von Vogue, Paris. Seine am Bauhaus entwickelten Prinzipien einer modernen Werbegrafik führte Bayer in Berlin konsequent weiter: In der für ihn typischen Bild‐ und Formensprache mit ihrer charakteristischen Verbindung von Fotografie, Collage und Airbrush‐Illustrationen entwarf er von 1928 bis zu seiner Auswanderung in die USA 1938 hunderte Plakate, Buch‐ und Zeitschriftentitel, Werbeanzeigen und ‐broschüren.

Ab 1933 arbeitete er auch im Auftrag der nationalsozialistischen Machthaber. Das Ergebnis waren wenige, aber effektvoll inszenierte Publikumsausstellungen sowie die Gestaltung der dazu erschienenen Kataloge: “Die Kamera – Ausstellung für Fotografie, Druck und Reproduktion”, „Wunder des Lebens“, und “Deutsches Volk – Deutsche Arbeit”. Doch 1937 wurden seine Werke in der Ausstellung “Entartete Kunst” diffamiert, und 1938 übersiedelte er nach New York, seine Frau, die jüdischer Herkunft war, und seine Tochter folgten Ende des Jahres nach.

Nach seiner Emigration war Bayer erfolgreich als Art Director in den USA tätig und durch seine Arbeiten für die Bauhaus‐Ausstellungen 1938 im Museum of Modern Art, New York, und 1968 in Stuttgart eine der prägenden Figuren der Bauhaus‐Rezeption.

In der Ausstellung sind 75 Jahre nach Bayers Emigration rund 200 Werke zu sehen, die in ihrer Gesamtheit erstmals einen umfassenden Einblick in Bayers werbegrafische Tätigkeit in Deutschland nach 1928 geben: Aus seinem Haupttätigkeitsfeld der Wirtschaftswerbung sind zahlreiche Anzeigen und Plakate ausgestellt, die er als freier künstlerischer Leiter der Werbeagentur Dorland u.a. für Möbel‐, Kleidungs‐ oder Kosmetikhersteller entwarf. Ebenso werden verschiedene Zeitschriften‐ und Buchumschläge präsentiert, darunter mehrere Titelseiten der Zeitschrift „die neue linie“ (1929‐1938).

Bayers berühmtes Plakat “section allemande” (1930) für die Werkbundausstellung in Paris ist ebenso zu sehen wie der einzig erhaltene Plakatentwurf Bayers zum Pergamon‐Altar (1931) aus dem Nachlass Herbert Bayers im Denver Art Museum, der nach aufwendiger Restaurierung erstmals in Deutschland gezeigt wird. Die von Bayer für die drei NS‐Großausstellungen „Deutsches Volk, deutsche Arbeit“ (1934), „Das Wunder des Lebens“ (1935) und „Deutschland“ (1936) gestalteten Drucksachen sind ebenfalls Teil der Ausstellung sowie seine für die NS‐Organisation „Kraft‐durch‐Freude“ gestalteten Kleinplakate und Publikationen (1934/1938) und
sein Cover für eine Broschüre zur Hitler‐Jugend (1936).

Bisher unveröffentlichte private Filmaufnahmen von Herbert Bayer mit Tochter Julia Alexandra (1933) sowie der Dokumentarfilm „Herbert Bayer – the man and his work“ (1974) ergänzen die Grafikschau.

000 Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung
Klingelhöferstraße 14
D – 10785 Berlinwww.bauhaus.de

Öffnungszeiten:
Mi bis Mo 10-17 Uhr, Di geschlossen

Dauer der Ausstellung:
20. November 2013 bis 24. Februar 2014

 

Bücher von und über Herbert Bayer bei amazon

 

Patrick Rößler, Herbert Bayer: Die Berliner Jahre – Werbegrafik 1928-1938

 

Herbert Bayer von Herbert Bayer (1967)

 

Alexander Dorner, The Way Beyond Art: The Work of Herbert Bayer

 

Patrick Rößler, Der einsame Großstädter: Herbert Bayer und die Geburt des modernen Grafik-Designs

 

Herbert Bayer, Entwurf eines Zeitungskiosks, Kunstdruck