Mondrian, Farbe

Hamburg. Rot, Gelb und Blau sind die Farben, die Piet Mondrians (1872–1944) Werk berühmt gemacht haben. Er gilt als einer der entschiedensten Verfechter der Abstraktion. Von seinen Anfängen mit holländischen Landschaften entwickelte sich Mondrian zum Pionier der ungegenständlichen Malerei, und ab 1921 malte er ausschließlich mit den Primärfarben. In der Kombination mit weißen Flächen und schwarzen Linien kommt ihnen eine wesentliche Bedeutung zu: Sie transformieren die materielle Welt ins Geistige. In der Farbe zeigt sich dieser Anspruch Mondrians.

Erstmals untersucht mit Mondrian. Farbe eine Ausstellung dieses zentrale Moment seines Werks. 51 Gemälde zeigen, wie Mondrian durch die Auseinandersetzung mit Cézanne, mit Goethes Farbenlehre und der Theosophie auf der Suche nach der universellen Harmonie zu den Grundfarben und zur Abstraktion fand. Denn: „Kunst soll der unmittelbare Ausdruck des Universellen in uns sein“ – so Mondrians anspruchsvolles künstlerisches Programm.

Auseinandersetzung mit dem Realismus Rembrandts

Mondrians frühe, seit den 1890er Jahren entstandene Landschaften zeigen seine Auseinandersetzung mit den Fragen des Realismus in der Tradition Rembrandts. Die erdigen, pastos aufgetragenen Farben dienten ihm als Material der Landschaft.

Doch schon in seinen kurz nach 1900 entstandenen Landschaften malte Mondrian das Strahlen der Sonne und das Leuchten des Mondes. 1908 kam er erstmals mit Goethes Farbenlehre in Berührung. Unter Berufung auf Goethe formulierte er: „Farbe ist getrübtes Licht.“ Das Licht wird nicht als ein strahlendes gezeigt, sondern als ein Leuchten, das vom Horizont ausgeht. Damit verabschiedete sich Mondrian vom Realismus und brachte eine symbolistische Komponente in seine Landschaftsdarstellungen ein.

Die Bedeutungszuschreibung an die Farbe erlebte um 1900 eine neue Blüte. Dazu trug die damals unter Künstlern und Schriftstellern populäre theosophische Lehre bei. 1909 wurde Mondrian Mitglied der Theosophischen Gesellschaft. Durch die schrittweise Überwindung der abbildenden Naturwiedergabe wollte sich Mondrian universellen, überzeitlichen Gesetzen nähern. Dafür war die Farbe das entscheidende Gestaltungsmittel. Rot und Blau dominieren zahlreiche in diesen Jahren entstandene Gemälde Mondrians.

Das Licht der Nordsee inspiriert ihn zur Abstraktion

1908 verbrachte Mondrian seinen ersten Sommer auf Walcheren. Für die modernen niederländischen Maler wurde die Halbinsel im Süden der Provinz Zeeland zu einem Anziehungspunkt. Sie folgten Jan Toorop, der dort den Luminismus, die niederländische Spielart des französischen Pointillismus, verbreitete.

Hatte ihn Goethes Farbenlehre 1908 zu Experimenten mit den Primärfarben inspiriert, so hellte Mondrian seine Palette um 1909 auf und steigerte ihre Lichthaltigkeit zu impressionistisch anmutenden Pastellfarben – zu Äquivalenten gleißenden Lichts. Sie erinnern an die mediterranen Töne eines Henri Matisse, entstammen aber dem Licht der Küste Walcherens. Bereits in seinen hier entstandenen Dünenbildern entließ er die Farbe in die Abstraktion.

In Paris: Auseinandersetzung mit dem Kubismus

Mondrian zog 1912 nach Paris und beschäftigte sich intensiv mit den Werken der Kubisten. Sein Stil ist nun von der kubistischen Formsprache geprägt, wobei er weniger die räumliche Vielansichtigkeit der Bildgegenstände als deren rasterhafte Zergliederung suchte. In diesen Jahren erarbeitete er sich eine geometrische Linienstruktur. Anfangs klingt in ihnen noch die Farbigkeit der Pariser Hauswände nach: Ocker und Hellblau.

1921 beschloss Mondrian, nur noch die Primärfarben Rot, Gelb und Blau zu verwenden, die er in schwarzen Gittern mit Weiß ausbalancierte. Im Kombinieren von Linie und Farbe fand er seine gültigen Bildmittel, für die er den Stilbegriff „Neoplastizismus“ prägte. In kleinen Schritten, in Variationen und Differenzierungen, suchte Mondrian nach einer Harmonie, die das Überzeitliche ausdrückt.

Mondrian. Farbe
Mondrian. Farbe: Katalogbuch zur Ausstellung Hamburg / Bucerius Kunst Forum 1.2. – 11.5.2014 (bei amazon.de)

Die von Ortrud Westheider kuratierte Ausstellung Mondrian. Farbe im Bucerius Kunst Forum umfasst 40 bedeutende Gemälde des Künstlers aus dem Gemeentemuseum Den Haag und 11 weitere Leihgaben renommierter Sammlungen aus Europa und den USA, wie der Tate London, dem Wilhelm- Hack-Museum in Ludwigshafen, der Fundación Juan March in Madrid oder dem Denver Art Museum.

Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen von Marty Bax, Susanne Deicher, Franz Kaiser, Monika Wagner, Ortrud Westheider und Michael White, Hirmer Verlag, München, 208 Seiten mit farbigen Abbildungen aller ausgestellten Werke, 29 € in der Ausstellung.

Stationen von Piet Mondrians Leben:

1872 geboren in Amersfoort bei Utrecht ++ 1892-1879 Studium an der Rijksakademie in Amsterdam ++ 1911-1914 Aufenthalt in Paris ++ Ab 1914 wieder in Holland ++ 1917 Gründung der Gruppe “De Stijl” mit Theo van Doesburg ++ ab 1919 wieder in Paris ++ 1920 verfasst er die Schrift “Le Néo-Plasticisme” ++ 1930 Mitglied der Gruppe “Cercle et Carré” ++ 1931 Mitglied der Gruppe “Abstraction-Création” ++ Ab 1938 in London ++ Ab 1940 in New York. 1944 stirbt in New York.

Bucerius Kunst Forum gGmbH

Rathausmarkt 2, 20095 Hamburg

Öffnungszeiten: täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr geöffnet

Dauer der Ausstellung: 1. Februar bis 11. Mai 2014

Mehr Info http://www.buceriuskunstforum.de