Nok-Skulptur, Louvre

Nok. Ein Ursprung afrikanischer Skulptur

Als dem britischen Archäologen Bernard Fagg im Jahr 1944 der Terrakotta-Kopf einer Vogelscheuche zugetragen wurde, erkannte dieser sofort die Bedeutung dieses Fundes.

Abbildung oben: Nok-Skulptur (um 6. Jh. v. Chr. – 2. Jh. nach Chr.). Nigeria. Terrakotta. Musée du Louvre. Bild: – Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38174699

Fagg war seit 1939 für die britische Kolonialverwaltung in Nigeria tätig und führte zu diesem Zeitpunkt Ausgrabungen auf dem Jos-Plateau in der Landesmitte durch, einem Grashochland in der gemäßigten Klimazone. Dort waren bereits Werkzeuge aus der frühen Steinzeit sowie rund 2000 Jahre alte Keramikscherben gefunden worden.

Wirtschaftlich ist das Jos- oder auch Bauchiplateau vor allem wegen großer Zinn-Vorkommen von Bedeutung. So waren bereits 1928 die ersten Nok-Figuren im Zusammenhang mit dem Zinn-Abbau in der Nähe des Dorfes Nok aufgetaucht, nach dem diese Skulpturen benannt sind. Leider ist keine der Figuren vollständig erhalten. Mithilfe wissenschaftlicher Methoden konnte ihre Entstehungszeit jedoch auf den Zeitraum zwischen 500 v. Chr. und 200 n. Chr. datiert werden – damit  zählen sie zu den ältesten figurativen Plastiken des subsaharischen Afrika.

Kennzeichnend für die stilisierten Tier- und Menschendarstellungen der Nok-Kultur sind dreieckig geformte Augen, deren Pupille durch eine Vertiefung angedeutet ist. Individuelle Merkmale wie Bärte, Schmuck und extravagante Frisuren oder Kopfbedeckungen betonen die kunstvolle Ausführung der expressiven Figuren. Die aus grob gemagertem Ton hergestellten Plastiken waren ursprünglich mit einer feinen Politur überzogen, die sich aber nur bei wenigen Fragmenten erhalten hat. Dargestellt werden vor allem Menschen, gelegentlich auch Tiere – vor allem Schlangen und Echsen – sowie Chimären, also Mischwesen aus Mensch und Tier.

Nok: Rätselhafte Kultur ohne Schrift

Warum die schriftlose Kultur, die etwa 1.500 v. Chr. entstand, erblühte und bald nach dem Jahr 0 herum wieder verschwand, bleibt trotz zahlreicher neuer Erkenntnisse rätselhaft. Bis in die 1970er-Jahre sammelte Fagg gemeinsam mit Arbeitern der Zinnminen rund 150 Fragmente von Nok-Figuren. Die Fundstellen erstrecken sich über eine Fläche von etwa 500 x 170 km im Südwesten des Jos-Plateaus. Im vergangenen Jahrzehnt haben Archäologen der Goethe-Universität Frankfurt an über 200 Grabungsstellen weitere Funde geborgen, die das Liebieghaus in Frankfurt zusammen mit geborgenen Alltagsgegenständen – Tongefäße, Steingeräte oder Schmuck – 2013/14 in einer aufsehenerregenden Ausstellung präsentierte.

Kopffragmente waren ursprünglich Teil eines vollständigen Figur, die Köpfe sind im Verhältnis zum Körper sehr groß – in späterer afrikanischer Kunst oft ein Zeichen von Respekt für Intelligenz. Angefertigt wurden die Nok-Skulpturen vermutlich durch eine subtraktive Technik, ähnlich wie Schnitzen.

Raubgrabungen und illegaler Handel

Mit der Entdeckung, Beschreibung und Veröffentlichung der Nok-Figuren begannen auch Raubgrabungen, illegaler Handel und Fälschung dieser Skulpturen. Aufgrund des stetig wachsenden Interesses des internationalen Kunstmarkts an afrikanischer Kunst und der erzielten Spitzenpreise für die Terrakotten der Nok-Kultur haben Händler zunehmend das illegale Aufspüren, Ausgraben und schließlich den illegalen Verkauf der Figuren ins NOK - Ein Ursprung afrikanischer Skulptur. AusstellungskatalogAusland organisiert. Damit wurden einmalige archäologische Stätten zerstört und Objekte den Fundstätten ohne Dokumentation entnommen, was der wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Kultur großen Schaden zugefügt hat. Illegal erworbene Stücke und Fälschungen sollen sogar in westliche Museen gelangt sein. Offiziell zumindest ist die Ausfuhr von Nok-Skulpturen aus Nigeria untersagt. Die Liebieghaus Skulpturensammlung hat sich diesbezüglich nichts vorzuwerfen: Alle Exponate waren vor der Präsentation in der Ausstellung auf ihre Echtheit überprüft und nach der Schau nach Nigeria rückgeführt worden.

links:

Nok: Ein Ursprung afrikanischer Skulptur

Katalog zur Ausstellung der Liebieghaus Skulpturensammlung Frankfurt, erhältlich bei amazon.de

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