Farbe für die Republik. Auftragsfotografie vom Leben in der DDR

Wie sollte die junge DDR von ihren Bürgern wahrgenommen werden? In den 1960er-Jahren wurde die sozialistische Ideologie mit Aufbruchsstimmung und Optimismus verbunden – und der Farbfotografie kam dabei eine besonders wichtige Aufgabe zu.

In dem Bildband Farbe für die Republik. Fotoreportagen aus dem Alltagsleben der DDR lassen über 300 Fotografien aus den Beständen des Deutschen Historischen Museums in Berlin nachempfinden, wie Propaganda von Fotojournalisten in ansprechende Bilder gekleidet wurde.

Die Farbfotografien stammen aus den umfangreichen Archiven der Bildreporter Martin Schmidt (geb. 1925) und Kurt Schwarzer (1927–2012). Die beiden arbeiteten als freiberufliche Fotografen im Auftrag zahlreicher Zeitschriften und Organisationen, u.a. des Freien Deutschen Gewerkschaftsbunds (FDGB) und verschiedener Betriebe. Mit ihrer Kamera dokumentierten sie Menschen an ihren Arbeitsplätzen in Volkseigenen Betrieben (VEB) und Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), in Kindergärten und Altersheimen und schossen Werbefotos für Messen, Produkte und Kochbücher.

Schöngefärbte DDR

Ihr Auftrag lautete: Die DDR nach innen und außen positiv darzustellen. So sieht man in diesem Bildband die unterschiedlichsten Facetten eines erfüllten Alltags im Sozialismus. Da wird gearbeitet und gelacht, gestritten und geflirtet, gespielt und gegessen und das Leben in seiner ganzen Vielfalt inszeniert. Insbesondere in den 1960er-Jahren sollten die Fotos Aufbruchsstimmung und Optimismus verbreiten und die DDR als modernen Staat präsentieren.

Farbig ins Bild gesetzt wurden moderne Fabriken, effiziente Landwirtschaft, Neubauprojekte oder die vielfach beschworenen sozialen Errungenschaften. So wurde die Farbfotografie zum Ausdruck für Modernität im Sozialismus. Zugleich illustrierte sie die Verheißung einer sozialistischen Zukunft.

Der Bildband entstand begleitend zu einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin im Jahr 2014. Dort wurde diese farbige Gebrauchs- und Auftragsfotografie mit großformatigen Abzügen präsentiert sowie in ihrer publizierten Form gezeigt, ergänzt durch weitere Arbeitsmaterialien der Bildreporter. Die Entstehungs ‐ und Wirkungsgeschichte der DDR-Auftragsfotografie wurde beleuchtet und kritisch reflektiert. Der daraus entstandene Bildband lässt für jene, die die DDR erlebt haben, die sozialistische Utopie und den Alltag in der DDR in eindringlichen Bildern wieder auferstehen.

 

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