Erwin Wurms One Minute Sculptures beleben das Frankfurter Städel

Liegestütze auf Kaffeetassen, Balancieren auf Orangen oder auf einem Besen fliegen, alles ist möglich – für eine Minute. Im Städel Garten, im Metzler-Saal, in der Sammlung der Alten Meister und der Kunst der Moderne platziert der österreichische Künstler Erwin Wurm (*1954) ältere sowie spezifisch für die Städel Sammlung entwickelte Werke aus seiner Serie der One Minute Sculptures. Die interaktiven Arbeiten fordern die Besucher dazu auf, die sie umgebenden Kunstwerke des Museums nicht mehr nur zu betrachten, sondern diese und sich selbst neu zu erfahren.

In Form von Zeichnungen oder kurzen schriftlichen Anleitungen werden die Besucher instruiert und dazu ermutigt, für die Dauer von 60 Sekunden zum Kunstwerk, zur One Minute Sculpture, zu werden. Zusätzlich zu den lebenden Skulpturen, mit denen die Besucher temporärer Teil der Städel Sammlung werden, sind im Metzler-Foyer rund 20 ausgewählte Fotografien und Filme aus dieser Serie zu sehen.

Wurms One Minute Sculptures eignet immer ein spielerisch-humorvolles Element, sie entstehen aber beileibe nicht nur um ihres Witzes willen. Im Gegenteil, vielmehr sind die grotesken Handlungsanweisungen häŠufig Kommentare auf traumatische, beŠängstigende Alltagserfahrungen. Dieser Alltag in seiner abgrundtiefen SurrealitäŠt ist zugleich Thema und Motivation der Arbeiten von Erwin Wurm“, beschreibt Dr. Martin Engler, Leiter der Sammlung Gegenwartskunst im StäŠdel und Kurator der Ausstellung, den fŸür ihn wesentlichen Aspekt der One Minute Sculptures.

Erwin Wurm, geboren 1954 im österreichischen Bruck an der Mur, ist einer der erfolgreichsten Gegenwartskünstler seiner Generation. Seit mehr als zwei Jahrzehnten hinterfragt er aus verschiedenen Blickwinkeln unseren traditionellen Skulpturbegriff. Von seinen frühen minimalistischen Kleiderskulpturen (seit den späten 1980ern) über die immateriell-ephemeren One Minute Sculptures bis hin zu den grotesk verzerrten oder aufgedunsenen Objekten wie Fat Car , Fat House (2003) arbeitet Wurm sich konsequent an der Erweiterung unserer Vorstellung davon ab, was eine Skulptur sein kann, wenn sie nicht mehr aus Bronze gegossen oder aus Marmor gemeißelt wird. Mit seinen Arbeiten, die in den letzten Jahren weltweit in umfangreichen Einzelausstellungen gezeigt wurden, ist er in internationalen Sammlungen wie jener des Guggenheim Museums in New York oder des Centre Pompidou in Paris vertreten.

Im Städel Museum wird der Besucher bereits am Haupteingang von der ersten One Minute Sculpture empfangen, die dazu einlädt, sich auf allen Vieren auf ein Podest zu knien. Folgt der Besucher dieser Anweisung, wird er zum wartenden Hund vor dem Museum und zitiert somit eine frühe Arbeit der österreichischen Aktionskünstlerin Valie Export (*1940), in der die Künstlerin in der Tradition des Wiener Aktionismus Peter Weibel als Hund durch die Wiener Innenstadt führte. Auf seinem Gang durch die Städel Sammlung mit Werken aus 700 Jahren Kunstgeschichte findet der Besucher eher zufällig weitere Sockel, Stühle und andere Displays mit Handlungsanweisungen vor. Die von Erwin Wurm platzierten Aufforderungen stehen etwa in den Räumen der Altmeistersammlung vor niederländischen Gemälden und italienischer Kunst des Spätmittelalters oder in der Sammlung der Moderne vor impressionistischen Werken und neben expressionistischen Skulpturen. Im Metzler-Saal, umgeben von Thomas Demands Rauminstallation Saal (2011), treffen die One Minute Sculptures schließlich auf zeitgenössische Kunst. Von dort eröffnet sich auch der Blick in den Städel Garten, wo Besucher hockend, hüpfend oder, mit dem Finger in der Nase, auf einem Bein stehend als One Minute Sculpture weiteren Handlungsanweisungen Erwin Wurms folgen können.

Im Rahmen dieser Ausstellung wird das Museumsblog auf blog.staedelmuseum.de zum erweiterten Aktionsraum des österreichischen Künstlers und zur innovativen, digitalen Informations- und Diskussionsplattform: Leser finden dort Interviews und Videos mit Erwin Wurm sowie speziell von ihm für das Blog entwickelte Handlungsanweisungen. Zudem geben eigens für das Wurm Blog verfasste wissenschaftliche Beiträge einen vertieften Einblick in das Schaffen des Künstlers.

(aus der Pressemitteilung)

 Städel Museum

Dauer der Ausstellung: 7. Mai bis 13. Juli 2014
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10.00–18.00 Uhr, Do und Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: Mo, 9. Juni, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Familienkarte 20 Euro; samstags, sonn- und feiertags 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: 10 Euro/Person; samstags, sonn- und feiertags 12 Euro/Person
Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung erforderlich.
Kartenvorverkauf unter tickets.staedelmuseum.de

Beitrag erstellt 22

Verwandte Beiträge

Beginne damit, deinen Suchbegriff oben einzugeben und drücke Enter für die Suche. Drücke ESC, um abzubrechen.

Zurück nach oben