Hermann Landshoff – Eine Retrospektive. Photographien 1930–1970

Der deutsch-amerikanische Fotograf Hermann Landshoff (1905-1986), einer der letzten großen Unbekannten der Fotografie(geschichte) des 20. Jahrhunderts, ist noch für kurze Zeit im Münchner Stadtmuseum wiederzuentdecken. Sein vielschichtiges Werk spiegelt die wechselvolle Zeitgeschichte und die Situation der aus Europa exilierten Künstler in den USA wider.

Im Frühjahr 2012 wurde dem Münchner Stadtmuseum der vollständige Nachlass des Künstlers mit 3.600 Originalabzügen aus dem Zeitraum von 1927 bis 1970 durch seine Familie als Schenkung überlassen. Die unterschiedlichen Themenbereiche Mode, Porträt und Architektur dieses spannenden Werkes werden in der Ausstellung erstmals in einer Auswahl von mehr als 250 Aufnahmen vorgestellt.

Hermann Landshoff wuchs in München-Solln als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie auf, die im Kunst-, Literatur- und Musikleben der Stadt eine zentrale Rolle spielte. Sein Vater Ludwig Landshoff war ein international renommierter Musikwissenschaftler, Komponist, Dirigent und Leiter des Bach Vereins (1917-1928), seine Mutter war die Königliche Hofopernsängerin Philippine Wiesengrund. Seine Schwester Ruth, verheiratete Vollmer, gehörte später zu den Begründerinnen der Konzeptionellen Kunst in den USA.

Bereits in jungen Jahren hatte Hermann Landshoff mit Karikaturen und als Fotograf einer Reportage über Albert Einstein in der „Münchner Illustrierten Zeitung“ Aufmerksamkeit erlangt. Nach einer Ausbildung an der Münchner Kunstgewerbeschule zählte er zu dem Kreis des bekannten Typografen und Buchkünstlers Fritz Helmuth Ehmcke. In diesem Umfeld lernte Landshoff auch den Nürnberger Zeichner Richard Lindner kennen, als dessen Kollege er beim Verlag Knorr & Hirth gestalterisch tätig wurde.

1933 durch die Machtergreifung der Nationalsozialisten zur Emigration gezwungen, ließ Landshoff sich zunächst in Paris nieder, um sich dort der Modefotografie zuzuwenden. Seine Aufnahmen erschienen zwischen 1936 und 1939in der populären „femina“ und der französischen „Vogue“.

Auf abenteuerlichen Wegen gelang ihm 1940/41 die Flucht nach New York. Dort gehörte Landshoff bald zu den interessantesten Modefotografen, die in Zusammenarbeit mit dem legendären Art Director Alexey Brodovitch für Modejournale wie „Harper’s Bazaar“, „Junior Bazaar“ und später für „Mademoiselle“ wirkten. Als Modefotograf entwickelte er einen eigenen Stil, der die Modelle in lebensnahen Situationen im Alltag wiedergab. Der amerikanische Modefotograf Richard Avedon fühlte sich nachhaltig von Landshoff inspiriert.

In New York entstanden auch Porträts der Künstler Max Ernst, Richard Lindner, Leonora Carrington oder Frederick Kiessler, die im Umfeld der Galeristin Peggy Guggenheim eine neue künstlerische Heimat fanden. Spektakulär sind auch mehrere Gruppen- und Einzelporträts von Mitgliedern der Surrealisten um André Breton und Marcel Duchamp. Schließlich verdanken wir Hermann Landshoff einen einzigartigen Zyklus von etwa 70 Fotografenporträts aus dem Zeitraum zwischen 1942 und 1960.

In der Geschichte der Fotografie einzigartig sind Porträts von Landshoffs Kollegen: Neben den berühmten Altmeistern Walker Evans, Paul Strand, Alfred Stieglitz, Ansel Adams, Berenice Abbott, Margaret Bourke-White, Alfred Eisenstaedt, Andreas Feininger oder WeeGee sind auch die noch am Anfang ihrer Karriere stehenden Fotografen Robert Frank, Irving Penn und Richard Avedon in außergewöhnlichen Bildnissen überliefert.

Weitere Bildserien sind der Stadtarchitektur von New York und ihrer Bewohner gewidmet mit besonderem Fokus auf die von der Gesellschaft ausgegrenzten Bevölkerungsschichten. Außerdem existieren zahlreiche Porträts prominenter Physiker wie Albert Einstein und Mitglieder des Los Alamos-Projektes, wie Robert Oppenheimer und seines Cousins Rolf Landshoff, die an der Konstruktion der ersten Atombombe beteiligt waren.

Anläßlich der Ausstellung erscheint im Schirmer/ Mosel Verlag eine umfangreiche Monografie, herausgegeben von Ulrich Pohlmann in Zusammenarbeit mit Andreas Landshoff, die zum Preis von 48 € (broschierte Ausgabe) an der Museumskasse erhältlich ist.


Münchner Stadtmuseum

St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München http://www.muenchner-stadtmuseum.de

Dauer der Ausstellung: 29. November 2013 bis 21. April 2014
Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10.00-18.00 Uhr, Montags geschlossen
Feiertage: an allen Feiertagen rund um Ostern 10 – 18 Uhr geöffnet

Der Katalog zur Ausstellung ist bei amazon (siehe rechts) oder an der Museumskasse erhältlich (Museumsausgabe 48,- Euro)

 


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