Jenseits von El Dorado: Macht und Gold im Alten Kolumbien

London. Jahrhundertelang trieb die Europäer die Legende einer vergessenen goldenen Stadt in Südamerika um, dem sagenhaften El Dorado. Wie in vielen Mythen steckt auch in diesem ein Körnchen Wahrheit – und dieses entpuppt sich als noch faszinierender als die vermeintliche Stadt aus Gold.

El Dorado – “der Goldene” – bezieht sich auf ein Ritual, das in der Nähe des heutigen Bogotá in über 3000 m Höhe an dem kleinen See Guatavita stattfand. Hier, im zentralen Hochland der östlichen Andenkordillere im heutigen Kolumbien, empfing das neu gewählte Oberhaupt des Volkes der Muiscas seine Weihe, in dem es, vollständig mit Goldstaub bedeckt, in den See sprang und als neuer Anführer aus den Wassern wieder auftauchte.In dieser großen Schau im British Museum sind einige der faszinierendsten Objekte zu sehen, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem See geborgen wurden. Überhaupt gelten die Goldartefakte aus dem Alten Kolumbien zu den eindrucksvollsten und künstlerisch ausgereiftesten Kunstwerken, die auf dem gesamten amerikanischen Kontinent in der vorkolumbianischen Zeit entstanden waren.

Insgesamt sind es über 300 Objekte, zum einen Leihgaben des Museo del Oro in Bogotá, das eine der besten und umfangreichsten Sammlungen präkolumbianischer Goldartefakte der Welt besitzt, zum anderen Stücke aus dem Eigenbestand des British Museum.

Anhand dieser Objekte erkundet die Ausstellung das komplexe Netzwerk verschiedener Gesellschaften im Alten Kolumbien – eine Welt hochstehender Kulturen, die Kolumbien von 1600 v. Chr. bis um 1700 bevölkerten: Muisca, Quimbaya, Calima, Tairona, Tolima und Zenú.

Das Gold diente diesen Gesellschaften nicht als Zahlungsmittel, sondern es hatte vorrangig symbolische Bedeutung. Die Elite nutzte es dazu, im gesellschaftlichen Leben und auch noch im Tod ihren höhergestellten, göttergleichen Rang zur Schau zu stellen und zu untermauern.

Darüber hinaus erfüllten die Objekte auch kultische Zwecke und gewähren Einblick in das spirituelle Leben des Alten Kolumbiens. Denn wie Musik, Tanz, Sonnenlicht und halluzinogene Substanzen vermochten auch die Goldobjekte eine körperliche und spirituelle Transformation herbeizuführen, die die Kommunikation mit dem Übernatürlichen in Gestalt von Tiergöttern ermöglichte. So sieht man großformatige Goldmasken, Brustpanzer in Vogelgestalt, und auch Halsketten mit Wildkatzen-Klauen sowie wundervoll bemalte Textilien der Muisca und eine der wenigen Steinskulpturen aus San Agustín-Stein, die außerhalb von Kolumbien aufbewahrt werden.

Neben dem sozialen und dem spirituellen Aspekt widmet sich die Ausstellung auch den hohen künstlerischen Fertigkeiten, darunter der Herstellung der Gold-Kupfer-Legierung Tumbaga sowie der Beleuchtung der hochentwickelten Techniken des Treibens, Hämmerns und Gießens, die von den Metallkünstlern zur Herstellung der Kultobjekte eingesetzt wurden.

 

British Museum

Great Russell Street
London
WC1B 3DGU-Bahn: Tottenham Court Road, Holborn,
Russell Square, Goodge Street

Öffnungszeiten:
Täglich 10 bis 17:30 Uhr
Freitags bis 20:30 Uhr

Dauer der Ausstellung:
17. Oktober 2013 bis 23. März 2014

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