Robert Mapplethorpe in Paris: Fotoausstellung im Grand Palais

Paris. Das Grand Palais zeigt mit über zweihundert Werken von Robert Mapplethorpe in Paris eine der umfangreichsten Retrospektiven auf das Werk des Künstlers. Die Werkauswahl der Fotoausstellung deckt die gesamte Karriere des Fotografen Mapplethorpe ab, angefangen mit den Polaroids vom Anfang der 1970er-Jahre bis zu den Porträts aus den späten 1980ern. Weitere Themenschwerpunkte sind die skulpturalen Akte, Stilleben und Sado-Masochismus. Jenseits aller Klischees, mit denen das Werk Mapplethorpes lange Zeit behaftet war, präsentiert das Grand Palais das Werk Mapplethorpes in allen seinen Facetten.


Vom Anbeginn seiner Karriere an positionierte sich Mapplethorpe als Künstler – anders als etwa Helmut Newton, der seit seiner Jugend Modefotograf werden wollte und diese zu einer ganz eigenen Kunstrichtung entwickelte.

Fast besessen war Robert Mapplethorpe von der Suche nach der vollkommenen Form. Denn er sah sich in erster Linie als Bildhauer, als Bildner der Seele und der Vorstellungskraft, und in zweiter Linie erst als Fotograf. Intensiv setzte er sich mit der Darstellung des Körpers, seiner Sexualität und künstlerischen Fragen der Plastizität auseinander. Das Medium der Fotografie benutzte er, wie er es vielleicht mit der Skulptur getan hätte, wäre er in ein anderes Zeitalter hineingeboren worden.

Seine skulpturalen Akte stellte Mapplethorpe in eine bildnerische Tradition mit Tizian (Die Schindung des Marsyas / Elliot and Dominik), David, Dalì und die Großen der italienischen Renaissance, Michelangelo, Piero della Francesca, Bernini.

Für manchen Besucher vielleicht überraschend, hat Mapplethorpe sich auch das Thema der Frau und der Weiblichkeit erschlossen, ein weniger bekannter Aspekt in seinem Werk. In deren Mittelpunkt stehen seine beiden Musen Patti Smith und Lisa Lyon.

Die Ausstellung ordnet sich in gegenläufiger Richtung um das Ende eines Kosmos, der Robert Mapplethorpe heißt. Am Beginn steht das Selbstporträt mit Totenschädel, das Bild eines noch jungen Mannes, der schon alt ist und dessen Leben auf seinem Höhepunkt gezeichnet ist von Aids. Mapplethorpe präsentiert sich in einer fast königlichen letzten Haltung, als lebte er schon in der Jenseitigkeit seines Werkes und lade den Betrachter mit seinem Stock ein, ihm in eine Welt zu folgen, die er in zwanzig Jahren Fotografie geschaffen hat.

Doch kein Werk entsteht im luftleeren Raum. Die Kunst Mapplethorpes reflektiert den soziokulturellen Kontext des künstlerischen New York der 1970er- und 1980er-Jahre und der homosexuellen Underground-Kultur jener Stadt. Zwei radikale Welten, die einander in seinem Werk durchdringen. Um die libertäre Explosion jener Zeit zu ermessen, muss man “Flesh”, den Film von Andy Warhol mit Joe Dalessandro, gesehen haben, der 24 Stunden aus dem Leben eines jungen New Yorker Strichjungen erzählt; oder “Midnight Cowboy”, in Mapplethorpes Augen ein “Meisterwerk”.

So wirft diese Schau auch einen einzigartigen Blick auf das künstlerische Leben im New York der Jahre 1970 bis 1980. In der die Fotografie “das perfekte Medium für eine Epoche war, in der alles schnell ging”. Die Ausstellung im Grand Palais würdigt die außerordentliche Qualität und Vielschichtigkeit von Mapplethorpes Werk.

GRAND PALAIS, GALERIES NATIONALES

3, avenue du Général Eisenhower, 75008 Paris
www.grandpalais.fr

Besuchereingang: Galerie Sud-Ost des Grand Palais: Entrée Winston Churchill, avenue Winston Churchill, Paris 8ème

Dauer der Ausstellung: 26. März – 13. Juli 2014

Öffnungszeiten:
Sonntag und Montag, 10 bis 20 Uhr, Mittwoch bis Samstag 10 bis 22 Uhr, Dienstags geschlossen
Geschlossen am 1. Mai. // Geöffnet am 8. Mai
Sa. 17 Mai, Europäische Nacht der Museen, kostenloser Zutritt von 20 Uhr bis Mitternacht

Einer der Säle ist für Jugendliche unter 18 Jahren nicht zugänglich.

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