Wols Photograph. Der gerettete Blick. Das fotografische Gesamtwerk im Martin-Gropius-Bau Berlin.

Wols (Wolfgang Schulze, 1913-1951) ist in erster Linie als Maler und Wegbereiter des Informel bekannt und mit Ölgemälden, Zeichnungen oder Grafiken in vielen bedeutenden Museen vertreten. Doch bevor Wols sich der Malerei zuwandte, schuf er zwischen 1932 und 1939 in Paris ein faszinierendes fotografisches Werk, das Porträts, Stillleben, Stadtansichten sowie Raum- und Modefotografien umfasst.

Anlässlich seines 100. Geburtstages hat das Dresdner Kupferstichkabinett, das den weltweit bedeutendsten Bestand von Wols’ fotografischem Oeuvre aus dem Nachlass von dessen Schwester verwahrt, diese rund 700 Arbeiten zählende Ausstellung im Gropius-Bau ausgearbeitet.

Als Wols 1932 in Paris ankam, gelang es ihm auf Anhieb, als Porträtfotograf seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele seiner Modelle sind junge Künstler, Schauspieler und Literaten, die Bohème von St. Germain des Prés – die meisten davon seine Freunde und Bekannte. Entsprechend dem Zeitgeschmack inszenieren die Porträts die Dargestellten häufig in bohèmehaft-locker bis modisch-mondänen Attituden.  Diese subtilen Inszenierungen werden stilbildend für Wols’ Porträts.

Ein weiteres Thema in Wols’ Werk sind Stadtbilder von Paris. Selten zeigen sie die bekannten Motive der Stadt – der Eiffelturm ist eine der wenigen Ausnahmen. Vielmehr inszeniert Wols Zufallsmomente des großstädtischen Lebens durch extreme Auf- und Untersichten und perspektivische Anschnitte. Mit dieser Technik reiht er sich in die fotografische Avantgarde seiner Zeit ein. Doch er öffnet sich bereits dem abstrakten Sehen, indem er Details von Straßenmustern, Palisaden und Plakaten bildfüllend darstellt.

Sein erstes und einziges professionelles Engagement erhält Wols 1937 von der Vereinigung der Modeschöpfer. Auf der Pariser Weltausstellung wird er für den Salon de l’Elégance als Fotograf tätig sein. Tatsächlich ist er überhaupt der einzige Fotograf, der die Pariser Weltausstellung dokumentiert. Wols’ offizielle Motive des Pavillons – Ausstellungsaufbau, Montage der Figurinen, inszenierte Mode – erscheinen in zahlreichen Modejournalen. Darüber hinaus fertigt er postkartengroße Abzüge an, die er den Besuchern der Weltausstellung direkt verkauft.

1938/39 entstehen seine Stillleben, deren Motive sich bis zu einer tabulosen Radikalität in einen kunstlosen Zustand steigern. Kompositionen, die den Raum um den Bildgegenstand ausblenden, und Fotogramme erschließen neuen Dimensionen der Bildrealität, die er nach 1945 in seiner Malerei wieder aufgreifen wird.

Wols Photograph. Ausstellungskatalog
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Martin-Gropius-Bau Berlin
Niederkirchnerstraße 7
10963 Berlin
Tel +49 30 254 86-0

Dauer der Ausstellung: 15. März bis 22. Juni 2014
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag, 10 bis 19 Uhr, Dienstag geschlossen.
Ab 20. Mai täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog. Die Museumsausgabe kostet 33 Euro, die Buchhandelsausgabe 68 Euro.

 

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